Weniger Insolvenzen – höhere Insolvenzschäden

Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist im Jahr 2016 das siebte Mal in Folge gesunken. Während in der Bundesrepublik im Jahr 2009 noch fast 34.000 Firmenpleiten zu verzeichnen waren, sank diese Zahl seitdem kontinuierlich – 2016 waren es nur noch knapp 22.000. Das ist der niedrigste Stand seit 1999. Allerdings ist die Schadenssumme, die durch Firmeninsolvenzen verursacht wurde, signifikant gestiegen.

Wie der Bürgel Wirtschaftsinformationsdienst in einer jetzt veröffentlichten Studie feststellt, betrugen die Insolvenzschäden im abgelaufenen Jahr 27 Milliarden Euro. Das ist im Vergleich zu 2015 ein Anstieg von über 50 Prozent. In erster Linie seien dafür die Insolvenzen mehrerer großer Unternehmen verantwortlich. So gingen zum Beispiel German Pellets, Sinn-Leffers und Steilmann 2016 in die Insolvenz. Der Trend zu weniger Firmeninsolvenzen betraf die meisten Bundesländer. Lediglich in Sachsen, Brandenburg, Saarland und Hamburg war ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Berlin verzeichnete einen Rückgang von 6,6 Prozent und lag damit über dem Bundesdurchschnitt von 6,2 Prozent.

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist weiterhin diejenige Unternehmensrechtsform, die am stärksten insolvenzgefährdet ist. Die sogenannte Insolvenzdichte (Firmenpleiten pro 10.000 Unternehmen) lag hier bei 209. Aktiengesellschaften (114) und GmbHs (115) lagen deutlich besser. Ein relativ geringes Insolvenzrisiko wurde bei Einzelunternehmen (41) und sonstigen Rechtsformen (22) verzeichnet. Nach Branchen war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Baugewerbe (85) und in der Logistik (83) am höchsten. Ein weiteres deutliches Ergebnis zeigte die Studie bei den Betriebsgrößen: Je kleiner das Unternehmen, desto größer ist die Insolvenzgefahr. Denn über 80 Prozent aller Insolvenzen des Jahres 2016 betrafen Unternehmen mit einem bis fünf Mitarbeitern. Und auch das Alter eines Unternehmens spielt beim Insolvenzrisiko – statistisch gesehen – eine große Rolle. So sind fast 60 Prozent aller Unternehmen, die letztes Jahr Insolvenz anmeldeten, nicht länger als 10 Jahre auf dem Markt tätig gewesen.

Selbstverständlich hat jede Insolvenz auch steuerliche Konsequenzen. Gesetzliche Regelungen hierzu sind allerdings selten. Zwar stellt § 251 Abs. 2 der Abgabenordnung fest, dass die Vorschriften des Insolvenzrechts vom Steuerrecht unberührt bleiben. Es gibt allerdings nur sehr wenige detaillierte Normen für die Anwendung des Steuerrechts im Insolvenzverfahren. Die gegensätzlichen Interessen sind offensichtlich: Während das Steuerrecht den staatlichen Anspruch auf Steuern im Blick hat, geht es in der Insolvenzordnung primär um die gleichmäßige Befriedigung der Gläubiger. Weil gesetzliche Regelungen Mangelware sind, ist die Rechtsprechung zu diesen Fragen umso umfangreicher.

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