Steuerfreie Grundstücksveräußerung mit Tücken

Im Dschungel des Steuerrechts findet sich eine nahezu einmalige Regelung: Wer zehn Jahre nach der Anschaffung einer Immobilie diese veräußert, kann dies steuerfrei tun. Doch auch diese Vorschrift birgt Tücken – besonders dann, wenn es um die Bestimmung der 10-Jahres-Frist geht.

§ 22 Nr. 2 in Verbindung mit § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG (Einkommensteuergesetz) legt fest, dass Gewinne aus Grundstücksverkäufen innerhalb einer 10-Jahres-Frist als sonstige Einkünfte steuerpflichtig sind. Danach entfällt die Steuerpflicht. Dabei markiert die Anschaffung den Beginn der Frist, die Veräußerung deren Ende. Für den BFH liegt der Zeitpunkt der Veräußerung schon dann vor, wenn die Erklärung von Veräußerer und Erwerber rechtlich bindend wird. Das gilt auch dann, wenn eine vereinbarte Bedingung für die Wirksamkeit des Geschäfts erst später eintritt.

Im entschiedenen Fall (Urteil des BFH vom 10. Februar 2015, Az. IX R 23/13) erfolgte der Kauf im März 1998, der notarielle Vertrag über die Veräußerung wurde im Januar 2008 unterzeichnet – also noch knapp innerhalb der Frist. Allerdings hatten die Parteien vereinbart, dass der Vertrag erst nach der Freistellung des Grundstücks von Bahnbetriebszwecken wirksam werden sollte. Die Freistellungsbescheinigung wurde von der zuständigen Behörde erst im Dezember 2008 ausgestellt. Doch darauf komme es nicht an, so der BFH. Denn ab dem Zeitpunkt der Vereinbarung könne sich keine Partei mehr von der Erklärung lösen.

Benötigen Sie eine steuerliche Beratung zum Thema Gewerbe, Apotheken oder Immobilien dann rufen Sie uns an - Ihr Steuerberater in Berlin Schöneberg

Weitere Artikel die Sie interessieren könnten


Zweitwohnsitzsteuer kann verfassungswidrig sein

Wer neben seiner Hauptwohnung eine Zweitwohnung besitzt, muss mit einer zusätzlichen Steuer rechnen: der Zweitwohnsitz- oder Zweitwohnungssteuer. Städte und Gemeinden können selbst entscheiden, ob und in welcher Höhe sie diese Steuer erheben. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Hauptwohnung in derselben Gemeinde befindet. Die Kommunen erzielen aus dieser Steuer viel Geld: 2007 waren […]

» Beitrag lesen

Wann ist ein Familienheim-Erbe steuerfrei?

Das Erbe eines von den Eltern bewohnten Hauses oder einer Wohnung kann steuerfrei sein. Hierfür gelten allerdings besondere Voraussetzungen. So muss die eigene Nutzung der Immobilie durch die Erben spätestens ein halbes Jahr nach dem Erbfall beginnen.

» Beitrag lesen

Sozialversicherungspflicht für Hausmeisterdienste?

Falsa demonstratio non nocet – das ist ein unter Juristen bekannter Grundsatz. Eine falsche Bezeichnung schadet nicht. Diese Maxime hat sich das Sozialgericht Landshut in einer aktuellen Entscheidung zu Herzen genommen.

» Beitrag lesen

Die neue Grundsteuer

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass die Grundsteuer in der bisherigen Form verfassungswidrig sei, hat den Gesetzgeber unter Zugzwang gesetzt. Bis Ende 2019 müssen neue Regelungen gefunden werden. Wie werden diese aussehen? Bund, Länder und Kommunen haben sich jetzt auf die Grundzüge einer neuen Grundsteuer geeinigt. Trotzdem gibt es noch ungeklärte Fragen.

» Beitrag lesen

Immobilienverkauf und Spekulationssteuer

Schon seit vielen Jahren kennen die Immobilienpreise nur eine Richtung: Sie gehen steil nach oben. Wie lange dieser Trend noch anhält, ist unsicher. Da liegt es für viele Eigentümer von Immobilien nahe, von den hohen Preisen zu profitieren und ihre Immobilie zu verkaufen. Wer hier aber nicht aufpasst, muss den Fiskus in beträchtlicher Höhe an […]

» Beitrag lesen

Verkauf einer Ferienwohnung: steuerfrei bei Selbstnutzung

Wenn eine Wohnung oder ein Haus verkauft wird, stellt sich für viele Menschen die Frage, ob ein solches Geschäft der Einkommensteuer unterfällt. Neben der bekannten Zehnjahresfrist, die für die Steuerfreiheit eingehalten werden muss, kennt das Einkommensteuergesetz noch einen anderen Tatbestand, der die Steuerpflicht entfallen lässt. Der BFH hat jetzt klargestellt, wie dieser Tatbestand zu interpretieren […]

» Beitrag lesen

Liquidationswert oder gemeiner Wert bei geerbtem Grundstück?

Der gemeine Wert eines Grundstücks ist in § 9 des Bewertungsgesetzes (BewG) geregelt. Dieser Wert richtet sich nach dem Preis, der im „gewöhnlichen Geschäftsverkehr“ zu erzielen ist – also unter marktüblichen Umständen.

» Beitrag lesen

Ein Immobilienmakler ist kein Steuerberater

Ein Immobilienmakler ist nur dann zur Beratung über steuerliche Aspekte eines Immobiliengeschäfts verpflichtet, wenn dies explizit im Maklervertrag vereinbart wurde oder wenn er nach außen erkennbar mit einem besonderen steuerlichen Wissen wirbt. Grundsätzlich haftet ein Immobilienmakler deshalb nicht, wenn ein Verkäufer vom Finanzamt zu einer hohen Steuernachzahlung aufgefordert wird. Darauf hat der Bundesgerichtshof in einer […]

» Beitrag lesen

BVerfG: Die Grundsteuer ist verfassungswidrig

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Grundsteuer hat für die Steuerberater der Eigentümer von Berliner Immobilien erhebliche Konsequenzen.

» Beitrag lesen

Risiko Schenkungsteuer beim Immobilienkauf

Als Steuerberater in Berlin Schöneberg berate ich häufig Mandanten, die ihre Immobilie an Verwandte oder Freunde verkaufen möchten. Offensichtliche „Freundschaftspreise“ machen dabei das Finanzamt besonders aufmerksam. Erweist sich der Verkauf als sogenannte gemischte Schenkung, wird Schenkungsteuer fällig.

» Beitrag lesen

Unsere Kontaktdaten als
QR-Code für Ihr Handy:

QR Code Kontaktdaten smart-steuerberatung.de

VCF Download