Kalte Progression: 32 Millionen sind betroffen

Die sogenannte kalte Progression bleibt ein steuerpolitisches Streitthema. Die Bundesregierung gab jetzt bekannt, dass im Jahr 2018 32,1 Millionen Steuerzahler davon betroffen waren. Und im kommenden Jahr werden es wahrscheinlich noch mehr sein.

Als Steuerberater in Berlin Schöneberg werde ich von meinen Mandanten oft gefragt, was die kalte Progression eigentlich ist. Die Antwort ist relativ einfach: Lohnerhöhungen, die lediglich die Inflation ausgleichen, werden durch die Einkommensteuer wieder wirkungslos. Vor allem mittlere Einkommen sind davon betroffen. Doch woraus ergibt sich dieser Effekt? Die Antwort hierauf ist schon etwas schwieriger.

Für die Einkommensteuerbelastung gilt in Deutschland der Grundsatz: Wer mehr verdient, muss auch einen höheren Prozentsatz seines Einkommens versteuern. Dieser Grundsatz entspricht dem verfassungsrechtlichen Prinzip der Leistungsfähigkeit und wird durch einen progressiven Anstieg des Einkommensteuersatzes verwirklicht. Mit zunehmendem jährlichen Einkommen wächst der Einkommensteuersatz von 14 auf bis zu 42 Prozent. Ab einem gewissen Mindesteinkommen fällt Einkommensteuer in Höhe von 14 Prozent an. Versteuert wird aber nur der Betrag, der über diesen Grundfreibetrag hinausgeht.

Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen dem Grenzsteuersatz und dem Durchschnittssteuersatz. Ein Beispiel: Der Grundfreibetrag liegt bei 8.354 Euro. Wer in einem Jahr 8.355 Euro (also einen Euro über dem Grundfreibetrag) verdient hat, muss auf einen Euro 14 Prozent Einkommensteuer zahlen (Grenzsteuersatz). In Bezug auf das gesamte Jahreseinkommen sind 14 Prozent von einem Euro jedoch praktisch 0 Prozent. Das ist der Durchschnittssteuersatz.

Der Durchschnittssteuersatz gibt das Verhältnis der zu zahlenden Einkommensteuer zum gesamten zu versteuernden Einkommen an. Erhält ein Arbeitnehmer in einem Jahr einen Lohnzuwachs von 2 Prozent, während die Inflationsrate ebenfalls bei 2 Prozent liegt, sinkt real seine Kaufkraft. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Arbeitgeber nominal mehr Geld verdient hat, er aufgrund des progressiven Anstiegs des Grenzsteuersatzes aber verhältnismäßig mehr Einkommensteuer bezahlen muss. Die Durchschnittssteuerbelastung ist gestiegen.

Der jetzt vorgelegte dritte Steuerprogressionsbericht der Bundesregierung legt dar, dass im Jahr 2018 32,1 Millionen Steuerpflichtige mit durchschnittlich 104 Euro pro Jahr von der kalten Progression betroffen waren. Im Jahr 2019 wird die Zahl der Betroffenen auf 32,8 Millionen ansteigen. Diese werden im Durchschnitt mit 116 Euro pro Jahr betroffen sein. Ein Ende der steuerrechtlichen Diskussion um die kalte Progression ist also nicht in Sicht.

Als Steuerberater in Berlin Schöneberg bespreche ich gemeinsam mit Ihnen effektive Strategien, die Ihnen dabei helfen, Steuern zu sparen. Es gibt viele Möglichkeiten, durch optimale steuerliche Gestaltungen die negativen Effekte der kalten Progression im individuellen Fall auszugleichen. Dies ist nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Selbstständige wichtig, damit sie wirklich von Erhöhungen ihres Einkommens profitieren.

Benötigen Sie eine steuerliche Beratung zum Thema Gewerbe, Apotheken oder Immobilien dann rufen Sie uns an - Ihr Steuerberater in Berlin Schöneberg

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